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Day 23: Tanzende Bäume

Weißt du warum sich die Bäume im Wind wiegen? Ich werde es dir erzählen.

Es ist nämlich nicht so, dass der Wind die Bäume bewegt, sondern die Bäume selbst bewegen sich. Sie heißen den weit reisenden Wind willkommen, winken ihm und tanzen mit und für ihn. Sie wispern, rascheln, knarzen und singen mit und für den Gesellen Wind. Sie erzählen ihm die Geschichten ihrer Heimat. Was unter ihren Wurzeln sich die Maulwürfe zu murmeln, über die Abenteuer der Ameisen an ihren Stämmen bis hin zum Klatsch und Tratsch der Vögel in ihren Kronen.

Ein Baum ist ein weises Wesen, das es versteht den Geschichten zu lauschen, die ihm erzählt werden und sie auch gerne – anders als so mancher schweigsamer Stein – weitererzählt. Das freut den wissbegierigen Wind, der ein singender Spielmann ist und durch die Lande reißt und Geschichten aus allen Orten der Welt von sich gibt.

Der Wind ist ständig auf der Suche nach neuen Geschichten von anderen Orten und mag deshalb nicht an einem Ort verweilen. Nicht umsonst heißt es im Volksmund „frei wie der Wind“.

Manchmal wenn er gar lange Zeit einsam war, und lange kein Gegenüber zu Gesicht bekommen hat, mit dem er spielen und singen konnte, treibt es ihn traurig durch die Lande. Er heult und stürmt durch das Land auf der Suche nach einem Zuhörer und selbst die tanzenden Bäume kann er nicht mehr hören. So sehr gefangen ist er in seinem Rausch. Und schon mancher Baum fiel bei dem Versuch mit dem pfeifendem Wind zu tanzen. Der Wind aber heult um so mehr über den Verlust seines Tanzpartners.

Von Benedikt Müller, antagon theaterAKTion

Winter Werft
jboehme@protagon.net
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