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Day 12: Bodenlos!

Heute Morgen um 8.00 Uhr ging es los: Eigentlich noch ganz sanft, die Tür ging auf, jemand schaltete die Heizung an und weckte mich mit ein paar Tritten. Dann klatschte er mir einen Riesenlappen auf den Rücken und begann damit auf mir herumzuwischen –  links, rechts, links, rechts, in kleinen Lemniskaten. Am Ende war ich komplett nass und stank nach diesem Scheuermittel von Mr. Proper. Als ich dann endlich wieder einigermaßen trocken war, ging die Tortur erst richtig los. Wieder öffnete sich die Tür, jemand hatte laut Musik angemacht – irgendetwas östliches – und nun begannen sie in Scharen auf mir herumzutrampeln, schwankend im Takt, dann auch wieder nicht – auf jeden Fall robbten, hüpften, sprangen und liefen sie auf mir herum. Aber mein Stöhnen und Ächzen hörte man gar nicht! Als die dann auch noch begannen, mich mit langen Holzlatten zu bearbeiten, war es für mich völlig vorbei. Ich konnte nicht mehr…von oben bis unten verdellt, Schrammen und Kratzer am ganzen Leib, mein schwarzer Anzug ganz verschmiert – es war bodenlos!  Endlich als es Mittag wurde, war es dann vorbei: Die Musikboxen wummerten nicht mehr, das Licht ging aus und nur vereinzelt stolperte noch jemand über mich. Tief durchatmen sagte ich mir! Lange ausruhen konnte ich jedoch nicht, schon am Nachmittag ging es weiter: Tische, Stühle und Kerzenständer wurden auf mir drapiert und ein riesiger roter Vorhang hing mir mitten ins Gesicht. Der ganze „Spaß“ ging wieder von vorne los, ich bekam Krämpfe von den spitzen Stuhlbeinen und dann fingen die auch noch an wahllos auf mich draufzupringen. Irgendwann erklang draußen ein Gong, der mich von meinem Leiden erlöste. Zwischendurch kam nochmal jemand herein, der mir mit einer weichen Bürste einmal über den ganzen Körper strich, das war schon ein wohliges Gefühl und ich freute mich auf eine ruhige Nacht. Doch da ging die Tür von neuem auf und eine ganze Schar an Menschen lief herein, irgendetwas von Impro Night riefen sie und kamen wild auf mir zum Stehen. Wie ich den Abend überlebte weiß ich nicht mehr, doch als irgendwann kurz vor Mitternacht das Licht ausging, die Heizung ausgeschaltet wurde und es wieder bitterkalt im Zimmer war, sank ich in einen süßen Traum: Weiche Füße, Perserteppich, duftendes Bohnerwachs und irgendwo ganz leise diese östliche Musik.

Winter Werft
jboehme@protagon.net
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