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Winterwerft 2020

Thu 6.2. – Sun 16.2.2020

Theater at the end of the world (as we know it …)

Die Hütte brennt. Das im vergangene Jahr oft verwendetet Titelbild für die Winterwerft Website hat sich leider – und tut es noch immer – als ausgesprochen prophetisch erwiesen.

Wir haben 2019 ein Jahr erlebt, in dem Wälder weiter brennen, Wissenschaftler weiter warnen und Wirtschaft weiterwächst. Mit Greta Thunberg und „Fridays for Future“ ist eine Bewegung von globalen Ausmaßen ins öffentliche Leben getreten, welche die Dringlichkeit der Klimakatastrophe zu begegnen in die Mitte der Gesellschaft trägt. „Extinction Rebellion“ haben für Tage wichtige Kreuzungen Londons blockiert, um mit den Mitteln zivilen Ungehorsams Umdenken in der Klimapolitik zu fordern. Zu den Protestierenden und Demonstrierenden zählen bei weitem nicht mehr nur Jugendliche oder Extremisten.

Oft scheint es, habe die Erkenntnis der Unaufschiebbarkeit von essenziellen und existenziellen Veränderungen im Umgang mit Ressourcen tatsächlich die Mitte der Gesellschaft erreicht. Dem entgegen stehend hört man dann, wie die Wälder des Amazonas abgeholzt oder verheerenden Bränden überlassen werden, wie die weltweite Plastik- und Müllproduktion ansteigt, wie die Förderung fossiler Energieträger zunimmt und dieses gegenmenschliche Handeln einer scheinbar alternativlosen kapitalistischen Verwertungslogik unterworfen ist, deren vermeintlicher Zwangscharakter jene Zerstörung unserer so notwendigen „natürlichen“ UmWelt immer wieder politisch und gesellschaftlich legitimiert.

Dann zählt man im eigenen Dunstkreis die einfach bemann*frauten SUVs auf den überfüllten Straßen im Feierabendverkehr der Großstadt oder man fragt sich, warum die Gurke im Supermarkt 600 km zurücklegen muss und zunächst von einem Plastikkondom befreit werden muss, bevor sie im Salat endet.

Man fragt sich vielleicht, was mit „uns“ los ist, dass wir den Ernst, die Brenzligkeit der Situation scheinbar immer noch nicht verinnerlicht haben. Dass vielerorts immer noch geglaubt wird, es ginge weiter wie bisher. Die Klimakatastrophe ist keine Wahl. die wir haben oder nicht. Das Ende fossiler Ressourcen ist keine Möglichkeit. Die Folgen unserer Entgleisungen sind vielerorts spürbar. Die vergangenen Sommer mit Bränden und Dürren und Ernteausfällen haben auch hier, direkt vor der Haustür, Mensch und Tier und Landschaft geprägt.

Wir attestieren: der Krise der Ökonomie, der Krise der Ökologie liegt eine gesellschaftliche, eine kulturelle Krise zugrunde. Eine Krise der Geschichte. Zeitgenössische Narrative, Erklärungsansätze und Handlungsmodelle zerbröseln, zerbröckeln oder gehen schlichtweg in Flammen auf. Die sich hartnäckig erhaltende Maxime von „Mehr“ darf, kann, muss obsolet werden?! Doch dann? Was bleibt, wenn wir aufhören vorzugeben alles ginge gut?

Darum sammeln wir sie wieder ein, die Bienentänzer und Geschichtenerzähler, die Schamanen, Brahmanen und Visionäre, die bärtigen Propheten und Prophetinnen, die Straßenkinder und Stadtpiraten, die Waldschrate und Geisterseher. Dichtende, Schauspielende, Erzählende, Hell- und Dunkelsehende. Wir machen uns auf die Suche nach der nächsten Winterwerft und damit wieder auf die Suche nach den Geschichten, die uns vermeintlich oder tatsächlich dabei helfen uns und das Chaos, aber auch die unzähligen Wesen und Stimmen, die uns umgeben besser zu verstehen. Wir zünden das Feuer an und laden dazu ein, mit uns in die Flammen zu schauen, den Blick in die Abgründe zu wagen, die Krone der Schöpfung einmal neben uns ins Gras zu legen und durch’s Unterholz dieser an Stimmen, Geschichten und Wesenheiten so reichen Welt zu schleichen.

Die Winterwerft verfolgt, wie schon in den vorangegangenen Jahren, das Ziel, Kunst und Theater einen Raum zu geben, der unerschrocken Einblicke in die Abgründe dieser Gegenwart gewährt. Theater, das durch das Unterholz unserer Seele schleicht und unsere Perspektive und Gangart wechselt. Auf den Hügeln vor unserer Stadt wird ein Feuer errichtet und lädt alles Natürliche wie Kreatürliche zum gemeinsamen Palaver ein.

Theater, das sich nicht scheut, für wahrhaftig geglaubte Narrative zu durchleuchten und zu hinterfragen und unbequeme Fragen zu stellen. Wen oder was wir dort finden mögen, werden wir sehen und wir sind gespannt …

Die Winterwerft erkundet Wege, Möglichkeiten und Räume für Trauer, Wut und Verzweiflung. Zum anderen und vor allem aber werden Ideen und Visionen auf dem Festival künstlerisch verhandelt, wie sich kritisch und kreativ, fantasievoll wie partizipatorisch mit den Krisen und Gefahren, den Herausforderungen und eben auch den Chancen dieser Gegenwart umgehen lässt …

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The Winterwerft is the festival for wild, organic, uncivilized theater. Theater that changes perspective and gait, that fearlessly looks into the abysses of this time and goes on a search for vision with the means of critically creative discussion. The Festival gives space and time......

The Winterwerft is the festival for wild, organic, uncivilized theater. Theater that changes perspective and gait, that fearlessly looks into the abysses of this time and goes on a search for vision with the means of critically creative discussion.

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